Suomi

Tage ohne Nacht 

südliches 

Lappland

24. Mai - 02. Juni 2025
Zürich-Oulu 

Samstag, 24. Mai

Gemeinsam stark

Diesmal bin  ich für den ersten Teil der Reise mit einer Kollegin unterwegs. Conny.
Unser Weg führt uns über München nach Oulu in Finnland, besser: südliches Lappland.

Oulu ist ein Knotenpunkt, so rein flugtechnisch gesehen, da es Nahe der schwedischen Grenze und als Tor zu Lappland verschiedene Abenteurer anzieht. Wie zum Beispiel die Jungs aus München, die nur zur Bären-Safari hier gelandet sind. Ohne Gewehr, dafür mit einer Kameraausrüstung vom Feinsten.
Da muss ich ja gerade beichten: Ich habe keine Kamera dabei, nur das iPhone. Niedergang meiner Fotokultur? Na mal sehen.

Was Auge und Kamera (;-) zu sehen bekommen lohnt sich allemal. Das Wetter ist besser als erwartet, statt 7 Grad sind es 17 und die Sonne scheint. Trotzdem finden wir auf den letzten Kilometer bis zum Haus immer wieder kleine Spots mit Schnee. Entweder in geschützten Senken oder zum Haufen aufgetürmt im Vorgarten. Kiefern- und Birkenwälder, Seen, Moore, Rentiere am Strassenrand und ein Hirsch, der brav gewartet hat, bis ich abgebremst hatte, bevor er die Strasse überquerte. Ein riesiges Tier mit dürren Beinchen, die den massigen Körper mindestens 150 cm über den Boden hoben... wunderschön. Näher hätten wir ihm mit unserem weissen Opel Corsa nicht kommen müssen.
Eine Kollision mit Hirsch, Rentier, Bär ist wohl auch die einzige Unterbrechung einer sonst eher unaufgeregten Fahrt. 36km gerade aus, 85km gerade aus, dann abbiegen und 56km gerade aus. Da waren die letzen 5 km auf der Suottaniementie bis zur # 50C direkt navigierungspflichtig.

Wie erwartet hat uns das Haus und der See dann auch sehr erfreut. Und dann dieser Duft! Mitten im Kiefernwald. Mega!

Sonntag, 25. Mai

Guten Morgen Soumi

Es ist Sonntag. 
Die erste Nacht mit voller Beleuchtung, dazu noch ein fremdes Bett, kein Tram- oder  Autolärm. Unruhig, aber erholsam.
Nach dem ersten Kaffe aus der Filtermaschine - ja liebe Grit, er war sicher wieder viel zu stark ;-) haben wir den Ausblick auf einen See mit wechselndem Spiel auf der Oberfläche bewundern können.  Die nebelig-graue Umgebung eingesogen, den Regen beobachtet und alles schön vom warmen Wohnzimmer aus.
Leider sind wir wirklich noch ausserhalb der Saison in einer wenig touristischen Gegend. Alle Touren starten frühestens im Juni. Heute wird sowieso gelümmelt, da sind wir uns einig. Dazu noch den Kamin angeschmissen.


warm - kalt - weich

Am später Nachtmittag wurde der Holzofen der Sauna angeschmissen, so langsam haben wir den Dreh raus mit dem Feuer machen. Unser erstes Sauna-Abenteuer beginnt. Bei 60 Grad lagen wir in der Sauna mit Blick auf See und Wald, der Schweiss floss, rosig wurden alle Bäckchen. Irgendwann dann raus an den See zum Abkühlen. So wie Gott uns schuf, waschelten wir zum 8 Grad frischen Livo Lake. "Autsch!" 
Die Kälte war erst angenehm und wurde schnell zu einem einschneidenden Erlebnis. Bis zur Hüfte schaffte ich es, ein wenig Gesicht & Oberkörper besprenkelt und dann wieder raus. Tausend Nadelstiche malträtierten die Haut. 
In der Ferne sahen wir ein Fischerboot, das sich schnell verzog, als wir in den See stapften. Aus Anstand oder Schock? Wer mag das sagen?
Nach dem zweiten Durchgang und einer warmen Dusche, kuschelten wir wieder auf dem riesigen Sofa mit Blick auf den See. Die Haut so weich wie ein Kinder-PoPo, total entspannt und beglückt. Vielleicht auch schon wieder etwas müde... 

Montag, 26. Mai

Guten Morgen Sonnenschein

Der See ist ist aufgewühlt, ich bin total entspannt. Neun Stunden Schlaf und eine Sonne die von einem wolkenlosen Himmel lacht. 
Es ist wunderschön hier!
Das links ist übrigens der Blick von meinem Bett aus. Fast zu schade die Verdunkelungsvorhänge zu schliessen. 

Die Welt ist so weit entfernt

Seit Samstag haben wir keine Menschenseele mehr gesehen. Auch Tiere sind in diesem Wald nicht zu erblicken. Wirklich komisch. 
Gestern bin ich eine Stunde durch den Wald gelaufen und konnte kein einziges, lebendiges Wesen sehen. Auf Bären und Wölfe kann ich verzichten, aber was ist mit Eichhörnchen, Füchsen, Rentieren? 
Am See hat Conny 1-2 Enten entdeckt, die immer wieder vorbei schauen. Sie nennt sie Nessi, da sie immer wieder auf- und abtauchen.
Und heute steht da eine Möwe am Strand, ja wir haben Sandstrand, also die steht da schon  lange auf einem Bein und denkt " Ich bin ein Flamingo!"

Kunst & Natur in Posio

Die Sonne bleibt. Wir trauen nun  keiner Wetter-APP mehr.
Das heutige Ziel: die Keramikwerkstatt Pentik in Posio. Seit den 70er Jahre eine bekannte Adresse für Keramik, Kunst und auch textiles Design. Naja, und ganz ohne Mitbringsel geht man da ja auch nicht raus. Eine Tasse mit Elchen, weil wir ja sonst noch keine gesehen haben und einen neuen Fressnapf für Tilly... spoilt little thing...

Nur ein paar Kilometer entfernt haben wir uns dann auf die Wanderung zu den gefrorenen Wasserfällen gemacht.
Ja, sie sind noch teilweise gefroren und auf dem Wanderweg liegt noch Schnee, zwar alt und dreckig, aber das waren wir dann auch bald, nach dem Auf und Ab über Felsen sowie durch Bäche von Schmelzwasser.
Natürlich in einer atemberaubenden Natur.
Nach dem Einkauf im S-Markt wird gerade die Sauna hoch gefahren, die verdiente Entspannung meiner untrainierten Muskulatur.
Apropos Einkauf: Conny und ich lieben es, KI-gesteuert zu shoppen. Ein schnelles Bild, ein Klick und schon steht dort die Übersetzung. Auf Wunsch wird das Produkt in finnisch gelesen oder auch die deutsche Übersetzung. Das brauchen wir nicht, aber so manches Mal hat uns die APP ein langes Suchen erspart. Den Verkäufer_innen zaubern wir damit ein Lächeln auf die Lippen.
Also, Nagellackentferner ist in deutsch schon ein komplexes Wort. In finnisch: Kynsilakanpoistoaine. 


Dienstag, 27.Mai

Industrial Action

Was so technisch klingt, verfolgt Conny seit Sonntag bereits mit mehreren SMS, und mich nun auch: Finnair-Mitarbeitende am Flughafen Helsinki streiken! 
Bereits der dritte Streik in diesem Monat hat ein Auswirkungen auf unsere Reise. 
Das bedeutet, dass wir uns heute vvviiieeelll Zeit nehmen müssen, um mit jemanden direkt sprechen zu können. Conny fliegt am Montag von Helsinki zurück nach Zürich und ich bleibe ja noch in Südfinnland für ca. 10 Tage. Beide sind wir jedoch angewiesen, dass unser Flug und das Gepäck in Helsinki abgehandelt werden. Es bleibt spannend! 
News folgen.
Nach über einer Stunde in der Warteschleife konnten wir endlich mit jemanden persönlich sprechen. Sein Rat: Abwarten, ob die Flüge gestrichen werden und eine Umbuchung machbar ist. Vielleicht heisst das für uns, dass wir eine Nacht in Oulu stranden, Conny wieder über München statt Helsinki zurück fliegt und ich mein Auto und die erste Nacht in der neuen Hütte ändern muss... ungewiss.

 

Rechte und Pflichten des Fluggastes

Die erste Hürde musste Conny nehmen als wir eincheckten. Die Dame am Schalter war nicht zu überzeugen, sie war der Meinung, dass Conny kein Gepäck inklusive hätte. Also zahlte sie 70,- sfr für ihren Koffer um ihr Ticket zu erhalten. Erst später fand sie das korrekte Dokument, dass eindeutig das Gegenteil bezeugte. Das heisst sie muss bei der Rückkehr auch noch um die Rückzahlung der fälschlicherweise eingezogene Zahlung kämpfen.
Ich wurde dafür bei der Einreise in Oulu von der Zollkontrolle herausgezogen und nach illegalen Medikamenten befragt. Ich verneinte vehement - Medi ja und vom Arzt verordnet, die aber nicht verschreibungspflichtig sind.
Im Gepäck hatte ich 38 Hautpflege-Ampullen, dazu noch ca. 1kg hellgelbes Vitaminpulver, was ich auch erwähnte. Die 5 Ampullen Vitarubin s/c mit Kanülen und Spritzen habe ich vollkommen vergessen. Zum Glück hatte ich ganz spontan mein ehrliches Gesicht aufgesetzt und mein Koffer wurde nicht geöffnet.

Mal sehen, wie es mit dem Flug zu Zeiten des Streiks am Helsinki`er Flughafen weiter geht. Haben wir Glück, so wie ich oder zahlen wir drauf, so wie Conny.
Wir sind positiv gestimmt. 
Wer weiss was schon kommt und warum!?

Kiefernwälder am See

Überall Natur. Sanfte Hügel mit Blaubeerkraut, Kiefern und Birken um unsere Hütte herum, gut zum durch die Wälder streunen. Ich bin auf der Suche nach einem abgeworfenen Hirschgeweih. Laut dem Betreiber des Cafés am Kouoami Wanderwegs muss frau dafür tiefer in den Wald, denn die Tiere meiden, wenn möglich, die Menschen... vor allem Touristen.
Fazit: noch keine weiteren Tiere als ein Eichhörnchen und eine Kröte. Die Bilanz sieht noch schlecht aus.
Das spazieren zaubert jedoch wirklich schöne Eindrücke. Frische, leckere Luft und eine kühle Brise auf der Haut.

Mittwoch, 28. Mai

Rovaniemi - Kein Treffen mit dem dicken Mann in rotem Samt

150km entfernt von Posio liegt Rovaniemi. Eine grössere Stadt mit 65`000 Einwohnern und einem Santa Park - ein ganzjährig geöffnetes Weihnachtsdorf. Aus Ermangelung an Alternativen sind wir dort hin und haben schon unseren Wunschzettel für den Weihnachtsmann parat.
Al wir dort ankommen ist das Weihnachtsdorf GESCHLOSSEN!

Darum sind wir dann gleich zum zweitenTagesordnungspunkt übergegangen - dem Arcticum.
Ein Museum über die Geschichte der Stadt und die Entwicklung der Gegend. Der zweite Weltkrieg, die Same und die Tiere der Arktis.
Sehr spannend, erdrückend und beeindruckend. Nun konnte wir einen ausgewachsenen Elch sehen - ja erst wirklich so gross, wie am Samstag geschätzt.
Die Bilder sind ein Sammelsurium und Zusammenschnitt des Museums.

Donnerstag, 29. Mai

Mega Wetter


Ein Tag, wie aus dem Bilderbuch.
Am späten Vormittag starte ich zu einer kleinen Wanderung in den Wäldern. Irgendwo auf dem Weg von Posio nach Ranua. Verlaufen ist echt nicht möglich. Die Wanderwege sind wirklich gut markiert, der rot-weisse Punkt ist immer im Blickfeld.
Der Weg ist ein Traum.
Wundervoll. Mystisch. Frisch. Lecker.

Freitag, 30. Mai

Ranua Zoo

Heute 80 km Richtung Nordosten nach Ranua. Ein wenig touristischer, ein wenig mehr von allem. Immerhin 3600 Einwohner, Jugendherbergen, Hotel, Camping, S-Market, Tankstelle etc..
Der Zoo ist rollstuhlgängig und führt zu Fuss ca. 2h im Rundweg an verschiedenen arktischen/ finnischen Tieren vorbei. 
Gut für uns, wo wir ausser Rentieren kaum etwas zu Gesicht bekommen haben. Die Fotos zeigen entsprechen die schönsten Tiere - nicht in ihrem natürlichen Habitat.

Samstag, 31. Mai

Nachrichten von Finnair.

Wir können fliegen!

Heute Morgen werden wir mit Nachrichten von Finnair wieder bombardiert, besonders Conny.
Ihr Flug wurde gestrichen. Dafür gibt es dann bald die Nachricht, dass sie über Göteborg nach Zürich kommt. Letztendlich sogar fast zwei Stunden früher als der Originalflug.
Mein Flug nach Helsinki ist nicht gestrichen.
Der einzige Wehmutstropfen für mich, Conny fliegt bereits 09:15, Abfahrt also gegen 04:00.
Mein Flug geht 16:45. Nun ja, mit gegangen mit gehangen.

Lümmeltag  & Rentierpizza

Es ist regnerisch, windig und recht kühl. Der perfekte Tag zum Anschmeissen des Kamins, Mittagsschlaf und Couchsurfing der anderen Art. Ich habe noch Wäsche gewaschen, der Abschied von Posio naht und ich freue mich über noch fast 14 Tage Urlaub.
Abends sind wir zum letzen Mal auf die Suche nach einem offenen Restaurant gefahren. Dem Internet ist immer noch nicht zu trauen.
Wieder stand dort die Öffnungszeit ab 17:00 und als wir dort ankamen - gähnende Leere und  Türen. Also ein letzter, verzweifelter Versuch in der Pizzeria direkt in Posio. Surprise! Geöffnet.
Wir konnten so ein paar Einheimische sehen. Eine Familie mit zwei Teenagern, einen Single und die "cool kids on the block". Drei Teenager in schwarz, die sich in den unbeleuchteten Teil der Pizzeria zurück gezogen haben, Kebab mit Pommes verdrücken ohne ein Wort miteinander zu sprechen.
Das smartphone ist auch hier mittlerweile ein Teil des eigenen Körpers. Geht es verloren, ähnelt das einer Amputation. Nun muss man auch sagen, dass der Empfang in Finnland hervorragend ist. Kein Wunder bei den Entfernungen, ist das überlebenswichtig. Mit dem Wähltelefon vor 30 Jahren war das sicher sehr schwierig.

Nun wollt ihr wissen, was das da auf dem Foto ist, gell?
Rentier-Pizza
1. mit Gorgonzola und Ananas
2. mit Zwiebeln und Schinken
War recht gut, auch wenn das Rentier sehr spärlich verteilt war. Ist ja auch teuer. Im S-Market kostet eine kleine Dose 8 Euro.


Sonntag, 01. Juni

Feuchte Küsse in Finnland

Wer jetzt an etwas Verruchtes denkt, hat leider Pech!
Die küssende Begeisterung kommt nämlich von Vierbeinern. Heute besuchen wir die O`Nordic Sledge Dog Farm in der Nähe von Posio. Warum auch immer, ist diese Aktivität bei unserer Suche bisher nicht aufgetaucht. So beim Surfen habe ich eher zufällig dieses Angebot entdeckt und sofort zugegriffen. Als gestern die Erinnerung per Email kam, war ich doch diesmal ziemlich sicher, dass es auch stattfinden wird.

Montag, 02. Juni

Das Glück ist bei den Hoffnungsvollen

Das ist eine kurze Nacht. 
Mein Wecker zieht mich 02:23 aus dem Leichtschlaf. 
Abfahrt ist 03:45-04:00.
Wir haben 3 Std. Autofahrt zum Flughafen Oulu vor uns. Conny ist wie immer schon kurz nach dem Aufstehen parat. Ich habe 2 Stunden Vorlauf. Also sind wir um 03:40 gestartet - errechnete Ankunftszeit 07:36. Das passt. Connys Flieger geht 09:15. 
Kaum Menschen (wie auch die letzen Tage) sind unterwegs. Erst im Grossraum Oulu wird es lebendiger. Wir parken und bringen Connys Gepäck zum Schalter. 
Ich bin ja mutig und blauäugig (eigentlich grün) und frage mal so nebenbei, ob ich nicht schon früher fliege könnte, 16:45 ist ja noch sehr lange hin... 
Und schwups-die-wubs habe ich ein Ticket auf dem Flieger um 09:15.
Unbelievable!!!
Ich bekomme das Grinsen fast nicht mehr aus dem Gesicht. Wenn wir jetzt auch noch einen guten Kaffee und ein Gipfeli bekommen, ist unser Glück perfekt!

Nach dem Einchecken des Handgepäcks, was bei mir immer etwas weniger schnell geht, da ich für alle Eventualitäten gerüstet bin, freuen wir uns auf einen Kaffee am Gate. Den gibt es. Cappuccino für Conny und Latte Macchiato für mich. Und dann noch Gipfeli.
Wir liegen uns in den Armen. 
Das Leben ist schön.

Der Flug ist ok. Wir treffen die einzigen unangenehmen Finnen. Nach 60 min ist es geschafft. Ich begleite Conny noch bis an ihr Gate. Alles läuft prima. Dann mache ich mich auf den Weg zu Enterprise um meinen nächsten Wagen entgegen zu nehmen.

Ach ja, da ist ja noch das Kofferproblem. Nicht weil er zu voll ist, ok das auch. Aber ich habe ihn "beim über den Kies schleifen" ein Rad abgebrochen!
Es ist eben einer dieser Koffer, die ich vor rund zwei Jahren bei "kik" in Wittingen gekauft habe - einer dieser: " Irgendwie bringe ich den Hausstand meiner Eltern schon in die Schweiz"-Koffer...
Die Qualität des Koffers ist zweifelhaft.
Und gerade jetzt zerbröselt er mir unter den Kufen.
Also, auf den Flughafen in Helsinki einen neuen gekauft, umgepackt und den Alten entsorgen lassen.
Leider ist in der benötigten Grösse nur noch ein knall-oranger zu haben. Nun ja, ab jetzt ist Verwechslung ausgeschlossen. 
Schwarz kann ja jeder!
Danach dann zum Schalter von Enterprise um meinen Wagen zu holen. Ich bin natürlich rund 9 Std. zu früh. Was ich durch den Streik und so gut erklären kann. 
Und nun wieder dasselbe: der Wagen ist zwar da, aber dreckig!
Das hatten wir schon in Oulu. Dort haben sie uns einen Wagen  mit einem Riss in der Windschutzscheibe angeboten - welches ich dankend ablehnte. Zum Glück. Aus einem Riss, auch wenn die Sicht des Fahrers nicht beeinträchtig ist, kann bei den Schlaglöchern echt ein Problem entstehen. Somit hatten wir auch schon dort ein anderes Auto, was aber nicht gereinigt war.
No problem!
Dieser Wagen ist wieder schnick-schnack. 
Sorry Conny.
Automatik, das Handy kann für Musik etc. angeschlossen werden, SUV... VW Tiguan oder so???
Sitzhöhe uffe, abbe, nach 60 min Autofahrt auf der Autobahn konnte ich vor Schmerzen im Gasfuss nicht mehr aushalten und musste die erste Pause einlegen. 
Hisburger-Restaurant, Tankstelle, Einkaufszentrum. Es ist in Südfinnland echt ein wenig "hipper".
Der nächste Stopp ist Mikkeli. Eine grösser Stadt und ein non-plus-ultra Einkaufszentrum. Dort kaufe ich all` die Sachen, die ich wohl in der nächsten Woche brauche.
Es regnet zwar schon die ganze Zeit, aber das Auto spielt meine Playlist, es ist Auto warm und ... ich bin soooooo müde.
Noch 50 km bis Kangasniemi.

Südliches 

Finnland

02.-09. Juni 2025

Rangasniemi

Home sweet Home!

Die Hütte ist der Hit.
Dicke Baumstämme, rund und alt. Das Interieur entsprechend stilvoll gehalten, das Bett fest, breit und sehr bequem. 
Ein riesiges Sofa mit TV, 
Teich, See, Hot Tub, Sauna...
Aber die Küche ist eine Katastrophe!
Dreckig, versifft, ölig, fleckig, stinkend und total eckelig. Ich starte also bereits 15min nach dem Koffer in die Hütte bringen mit dem Putzen!
Im Kühlschrank sind krustige Flecken, in der Spülmaschine wächst ein Pilz über Essensreste, der Ofen ist schwarz mit Russ belegt...
Ich habe zwar bereits sehr schnell den Kamin angeschmissen, werde wohl aber erst später diesen geniessen können.

mein Schlafzimmer (1von 2)

Hot Tub mit dem Teich

Küche

Sauna

Koti, Grillhütte für den Winter

Gasgrill auf der Veranda

Grillstelle

Dienstag, 03. Juni


Putzfrau, Geniesserin, Touristin und Saunaistin

Der Morgen ist sonnig und verspricht einen schönen Tag.
Nach dem Morgen-Kaffe auf der Veranda und am See mache ich mich gleich wieder ans Putzen.
Das geht  aber nicht so flott von der Hand, weil die Utensilien nicht passend sind.
Also den Tag mit Aktivitäten und dem Einkauf im K-Supermarket planen. Stahlwolle, Scheuermilch, Glasreiniger, Ofenspray, Mikrofasertücher, Bier (für die Putzfrau).
Es wird langsam besser. Deshalb gönne ich mir eine touristische Begehung von Kangasniemi und esse im Restaurant am See. 

Was für ein Zufall. Die christliche Kirche, ich denke katholisch, feiert hier mal so nebenbei einen Gottesdienst mit Live-Musik, Klavier und Gitarre. 
Es versammeln sich ca. 20 Finnen im Alter von 6o-75 auf der Terrasse und singen zaghaft in dieser so unbekannten Sprache.
Ich geniesse einen Burger mit Zwiebelringen und finde, der Pastor hat den knackigsten Po von allen. Halleluja!
Dann schnell wieder weiter putzen mit dem richtigen Material.
Heute endlich wieder Sauna!!!
Nicht ganz so eine schöner Ausblick wie in der ersten Hütte.
Dafür warm und feucht.
I love it!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Mittwoch, 04. Juni

Putzen, Second-Hand-Markt und Wandern

Und wieder lacht die Sonne.
Es werden heute bis 21 Grad.
Nach dem obligatorischen Putzeinsatz plane ich eine Tour zum Second-Hand-Laden in Makkola und eine kleinen Wanderung.
Ich bin nun glückliche Besitzerin eines Stoff-Elch, der ganz lustig auf meinem Armaturenbrett thront, einer Angel für 10 Euro (weiss der Geier, was mich da geritten hat...) und Plastik-Köder.
Ich kann garnicht angeln!
Ich könnte Erfolg haben, wenn ich den Fisch mit der Shimano-Angelschnurkurbel erschlage...

Die Wanderung war gut.
Hier ist es anders hier als im Norden. Es sind viele Bauernhöfe, Felder und Wälder mit enormen Felsbrocken.
Lebendiger, fruchtbarer und sehr mythisch.

Heute schmeisse ich mal den Grill an. Folienkartoffeln und Rindfleisch-Patties. Auf der Veranda unter dem Holzdach geniesse ich den Abend.
I love it!

 


Die Finnen

Tja. Was soll ich über die Finnen sagen?
Ich konnte kaum einen Eindruck gewinnen... 
Da waren die komischen Finnen im Flugzeug von Oulu nach Helsinki, die schon morgens um 08:00 Weisswein am Flughafen getrunken haben, vermutlich aus Spesen, und dann neben Conny echt unsozial rüber gekommen sind.
Der Priester mit dem Knack-Po, Verkäuferinnen mit mehr oder weniger Englischkenntnissen...
Da liegt es Nahe, sich auf den Reiseführer zu berufen.
Finnen sind die Weltmeister im Kaffeekonsum!
Der Kaffee ist, meinem Geschmack nach, einfach nur furchtbar - braunes WASSER  mit Kaffee-Aroma!

Donnerstag, 05. Juni

Ein Regentag 

Schon am Morgen ist der Himmel dunkel verhangen und ein steter Nieselregen malt Kreise auf den Teich. 
Hoffentlich wird es nach meinem ersten Kaffee besser. Heute ist Markt in Kangasniemi, dort am See beim Restaurant Puulaaki. 

Nee. Nieselregen wechselt sich den ganzen Tag mit heftigen Schauern ab. Da bin ich neugierig, ob der Markt wirklich stattfindet. Ich muss noch Kaffee kaufen und der S-Market ist direkt am See.

Ei! Und damit meine ich kein Hühnerprodukt. Ei heisst "nein" in finnisch. Schon witzig, in Schottland heisst "I" (Ei) ja.
Also nein, der Markt hat nicht stattgefunden, der Platz am See ist leer. Jetzt am Nachmittag regnet es nicht mehr, aber ich bin irgendwie müde. Schnell eingekauft und dann Netflix. Und natürlich in die Sauna.
Sauna muss sein - jeden Tag.
Vielleicht baue ich meine Loggia in Zürich zur Sauna um...

Freitag, 06. Juni

Die Landschaft - ein Genuss

Die Sonne ist zurück. Sieht doch gleich ganz anders aus.
Heute mal wieder etwas Kunst... in der Kirche von Toivakka, ca. 40 min von hier und eine Wanderung um den See von Kangasniemi.

Ja, von wegen Kunst in der Kirche! Es war geschlossen. Das wohl häufigste Ereignis hier in Finnland. "Nicht offen", "geschlossen", "vertagt", " verschoben" oder "nur saisonal in Betrieb"
Geöffnet am Sonntag ab 09:00, eigentlich für den Gottesdienst. 
Mal sehen, ob ich das tue... falls nicht, hier ein  paar Bilder, die mich im Inneren erwartet hätten. Moderner als gewohnt und recht riskant.

Wo sind all` die Tiere hin?

Conny und ich habe eine Liste von Tieren erstellt, die wir gesehen haben.
Einen Elch, mehrere Rentiere,  wahnsinnig viele Vögel und ein Kröte.
Meine Liste ist kürzer.
Hier im Süden zeigen sich die Wildtiere sehr scheu.
Ich konnte einen Fuchs auf dem Grundstück beobachten, zwei Rehe beim Überqueren der Strasse, die allgegenwärtigen Vögel und eine schwarze Katze auf dem Weg zu meiner Hütte.
Echt mager, diese Ausbeute.
Die Insekten halten sich eher fern von mir. Es gibt auch noch nicht wirklich viele.
Dafür hat mich gestern eine Zecke erwischt. Vor rund vier Wichen schon mal eine in Zürich. Was definitiv gefährlicher ist, da sie dort zu 99% befallen sind. Ich werde also auf Symptome von Borreliose und FSME achten müssen.
Für eine Impfung war es zu spät. Initial und dann nach 14 Tage und 6 Monaten - da hätte ich schon im 2024 abfangen müssen.

Wochenende am See

Seit gestern ist es merklich belebter hier. Es ist Wochenende und die Grossstädter fallen in das malerische, verschlafene Kangasniemi ein. Ich höre vermehrt Autos, meine Nachbaren sind unterwegs und heute Abend brummt ein Motor. Boot? Rasenmäher?
Es ist wirklich tim Einges lebendiger als in dem Haus am See in Posio. Der See ist sehr viel kleiner und am Ufer erkenne ich mehrere Häuser.Die meisten sind bewohnt, also nicht nur Ferienhäuser. Einsamkeit ist das also nicht mehr. Ninja, schon im Wäldchen, am See gelegen. Aber der Nachbar ist nur 50m entfernt und ich höre ihn. Conny hätte das gefallen!

Es ist jetzt 21:30 und die Sonne scheint immer noch auf die Veranda.
Vogelgezwitzer und der Rasenmäher des Nachbarn... ich gehe ins Bett!
No Netflix today. Even no Sauna %-)
Gute Nacht Finnland.

Samstag, 07. Juni

12`000 Jahre Balance in Kummakivi

Das klingt wie ein Versprechen. 
Das grosse Oooooohhhhhmmmmm!
Es handelten sich um eine natürliche Steinformation aus der letzten Eiszeit. Ein grosser Stein ist auf einem etwas kleineren zum Liegen gekommen - perfekt austariert.
Ist zwar eine ganze Ecke entfernt von Kangasniemi, aber ich habe ein gutes Auto und noch bessere Musik geladen. 

Planwechsel

Mit dem Wetter habe ich nicht gerechnet. Es regnet. Keine gute Idee so weit zu fahren und dann im Morast und Schlamm stecken zu bleiben - ganz zu schweigen von der Rutschgefahr, denn der Weg ist nicht ganz ohne... ich habe mir schon so einige blaue Flecken in diesem Urlaub geholt, nun bin ich vorsichtiger.
Also eine Tour in der Nähe über Komoot ausgesucht. 
Komoot ist eine App, die immer mögliche Wander- oder Bike-Touren in der Umgebung sucht. Echt klasse.
Deshalb hat es mich wieder in die Gegend von Toivakka gezogen. Finde ich auch viel schöner als Kangasniemi. 

Rummakko-Huikko

Ein kleiner Ersatz für die erstaunlichen Felsen von  Kummakivi. 
Hier von Menschenhand gemacht, gibt es auch Steine, die übereinander balancieren. Den einen oder anderen Stein habe ich auf meinem Weg dazu gestapelt. Und die Tour war auch sehr schön. Riesige Felsformationen, Birkenwälder, Kiefern und verstreut einzelne Häuser oder Gehöfte. Vielleicht hört sich das für den einen oder die andere langweilig an - ich liebe es und kann garnicht genug davon bekommen.
@Schulfreundinnen: Stellt euch vor, ihr fahrt durch den Maloh und da gehen Wege von der Asphaltstrasse ab, dort stehen dann die Briefkästen, was auf die Anzahl von Häusern mitten im Wald schliessen lässt.
Phänomenal!

An einer Strassenecke habe ich Rast gemacht. Das hellblaue Hüttchen sah so putzig aus. Als ich es geöffnet habe, fand ich darin eine Bibliothek. Wie süss ist das denn. 
Ja nun, gibt` s in Zürich auch, da flippe ich auch nicht gleich vor Begeisterung aus, aber hier mitten im Wald bei 12 Einwohnern auf 10qkm ist das schon "keck".
Ich habe mir das älteste Buch aus dem Hüttchen mitgenommen. 
Ihr seht es bei den folgenden Bildern. 
Der Titel: Die Kinder vom Pfarrhaus. Hier in der Gegend 1941 verlegt.
Der stolze Besitzer war ein Vuokko Hyvärinen, sicher damals ein 12 jähriger Junge. 

In the heat of the night

Es ist Samstagabend. Ich bin allein. Ich traue dem Verheissungen aus dem Internet betreffend geöffneten Bars und Restaurants nicht mehr.
Deshalb koche ich mir eine Lachssuppe und habe den Holzofen für den Hot Tub angeschmissen. Regelmässig feuere ich weiter, hole Holz aus dem Schuppen und warte, bis die Temperatur passt. In ungefähr 2,5 Stunden sollte es soweit sein.


Sonntag, 08. Juni

Sunny Sunday 

Pfingstsonntag. 
Meine süsse Tilly hat Geburtstag, sie ist jetzt fünf Jahre alt. 
Heute Morgen habe ich dann Besuch von einem unbekannten, wenn auch sehr schönen Tier. 
Ich weiss nicht was es ist. Google sagt mir bei der Bildersuche, es wäre eine Hyäne, aber das schliesse ich mal aus. Alle anderen wie Luchs, Mader etc. kann ich auch nicht mit Bestimmtheit sagen. Mal stimmen die Ohren nicht, mal ist die Statur anders. Ich bin ratlos.

Nach meiner üblichen Routine am Morgen bin ich dann mit dem Auto los, meine Playlists laufen und ich geniesse, was ich sehe.
In Kangasniemi war ich dann in der Kirche - von Aussen angeschaut, da im Gegensatz zur Ankündigung am Tor, die Kirche nicht offen war. 
Das ist echt Trend!!!
Im Schaukasten hing dann auch das Bild von dem Priester mit dem knackigen Po. Also ist er Katholisch, was für eine Verschwendung.


Sightseeing in Kangasniemi

Die Kirche von aussen. 
Ein schöner Friedhof mit drei frisch ausgehobenen Gräbern - etwas gruselig.

09. Juni

Es ist ein Marderhund!

Heute Morgen, zu ähnlicher Zeit, ist das Tier wieder aufgetaucht und ich konnte gute Schnappschüsse davon machen. Und definitiv ist es keine Katze. Frau Google sagt: Marderhund, in finnisch Supikoira.
Mein Nachbar hat gestern davon gesprochen, aber ich war so davon überzeugt, dass das Gesicht wie bei einer Katze war und nicht mit spitzer Schnauze. Die Fotos zeigen nun deutlich, dass ich falsch lag.

Diese Tiere dürfen mit Lebend-Falle gefangen werden und natürlich dann dem Tode zugeführt werden... eine Info von meinem sympathischen Nachbarn! Ich bringe das nicht über das Herz. Ich sage also nichts. Ich finde ihn wunderschön!

Dorfmuseum

Zweite Station war das Museum von Kangasniemi. Eine Ansammlung von Gebrauchsgegenständen, Werkzeug, Kleidung, Geschirr etc. aus den letzten 200 Jahren.
Ist das eigentlich ein Zeichen des Alters, wenn ich in einem Museum Gegenstände entdecke, die ich noch selber genutzt habe? Irgendwie erschreckend!
Da waren die Schlittschuhe zum Unterschnallen, die Nähmaschine mit Fusspedal...
Naja, jeden falls habe ich die Museumsdame dann mal das Bild von dem "Tier" gezeigt, und gefragt, ob sie mir da weiter helfen könnte. Nach vielem hin und her und Google sind wir zu dem Schluss gekommen, dass es vielleicht die Katze des Nachbarn ist, sie sprach immer wieder von Maine Coon, oder ich bin die erste Augenzeugin einer eingewanderte Hyäne. 
Ich bin für Variante eins!

Deshalb habe ich  mich entschlossen, beim Rückweg meine Nachbarn aufzusuchen. 
Die waren total nett und sprachen hervorragend Englisch. Ein Gespräch mit anderen Menschen seit Tagen.
Beide sind weit im Rentenalter und kommen aus Helsinki.
Der Mann konnte mir dann mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass es sich um eine wilde Katze handelt. Im finnischen gibt es einen Ausdruck für Bauernhofkatzen, die diese regelmässigen Streifen von hellgrau-dunkelgrau beschreibt. 
Also dieses schöne Exemplar ist sicher ein grösserer Kater einer Wildkatze. Anlocken oder Streicheln nicht empfohlen.
Er sagte mir noch, dass er mit der Hunting Society Kangasniemi in Verbindung steht und weiss, dass solche Tiere geschossen werden dürfen, da sie Vogelnester in Bodennähe ausrauben. 
Die Finnen sind Vogelliebhaber. Bei mir auf dem Grundstück hängen auch einige Vogelkästen. Ich bin da nicht so interessiert.
Apropos!
Wisst ihr was Hähnchen auf finnisch heisst? Broiler! 
Manchmal auch Kana, wie heute beim Schnellimbiss an der Tanke. Kana-Burger. Ist ok. 
Einkaufen und selber kochen lohnt sich nicht mehr. Morgen reise ich ab und werde noch 3 Tage in Helsinki verbringen.

So nun muss ich aufhören. Der Hot Tube ist wieder bereit. Diesmal ging das Anheizen schnell, er war jetzt nach  20 Stunden noch 33 Grad, ab 35 wird es kuschelig.

Bye, bye Kelomökki

Ich bin bereit zur Abfahrt, etwas traurig, denn die Hütte mit Sauna und Hot Tub ist wirklich toll gewesen. Auf das Bärenfell und den Elchkopf hätte ich verzichten können...

Vorher - nachher! 
A lot of ellbow grease was needed... 
und das weltbeste Ofenspray, das 18 Std. sogar auf den vertikalen Flächen haften bleibt!

On the road again

Die Sonne scheint und es sind super schöne Wolken unterwegs. Die Musik passt und ich mache so manchen Kilometer. Der Taktgeber ist mein Gasfuss. Werden die Schmerzen zu stark, dann ist Pause angesagt. Diesmal in Heinola. Wegen des Zoos. Aber weil der Zoo eine Sancturay für Vögel ist, habe ich den nicht besucht. 
Blöde Vögel!
Ich war dafür am Hafen, bin im Park meine Runde gedreht und dann weiter auf der E75 Richtung Helsinki.


Helsinki

09.-12. Juni 2025




Abschied von der Wildnis

Je südlicher, umso belebter.

Helsinki hilft, um  mich wieder an Zürich zu adaptieren.
220 km von Kangasniemi nach Helsinki - zwei verschiedenen Welten.













Was für eine schräge Stadt!?

Ich brauche etwas Auslauf. Und laufe den Boulevard bis zum Hafen runter. Eine Boutique oder Galerie nachdem andere. Dazwischen Tatto-Studios, orientalische oder italienische Restaurants sowie Cafés von Fazer und anderen Nobelmarken.
Häuser aus der Jahrhundertwende, Trams... und auf den Gehweg laufen Rillen, um das Wasser aus den Regenrinnen abzuleiten. Mitten über den Gehweg! Warum ich das weiss? Weil es wie aus Kübeln schüttet.
Seit ca. 15 Uhr regnet es heftig.

Ja, da war auch noch so eine Begebenheit auf der Autobahn. Ich habe bei stärkerem Regen einen Lastwagen überholt und plötzlich stand ich mit meinem Auto unter der Dusche!
Aquaplaning und Spritzwasser aus der Senke und vom LKW. Ich sah für ca. 3 sec gar nichts mehr. 
Steuer also fest gehalten, aus dem Seitenfenster den Abstand zum LKW beobachtet und mit klopfendem Herz ausgehalten. 
Wie sagte schon Bilbo Beutlin: 

"Es ist eine gefährliche Sache, aus deiner Tür hinaus zu gehen. Du betrittst die Strasse und wenn du nicht auf deine Füsse aufpasst, kann man nicht wissen, wohin sie dich tragen. (J.R.R. Tolkien)

Und ja, nichts ist passiert! 
Mein Herz habe ich aber sicher bis 160/bpm hoch gejagt. 

Der Weg durch Helsinki zog sich dann ziemlich. Die schnellste Route konnte ich nicht nehmen und die Dame vom Navi fragte mich ständig, ob ich wirklich hier lang fahren wolle oder den kürzeren Weg. Was Madame KI nicht wusste, ist dass ein Tram-Unfall die Hauptstrecke blockierte. Mensch gegen Tram heisst Strassensperrung. Dazu noch einige Baustellen und sehr enge Strassenverhältnisse - mein super-super Auto meldete ständig Kollisionsalarm, den ich missachten musste. Die Helsinki`er parken wie die Wilden, also sie Platz hätten, wie draussen in der Wildnis, die ich gerade hinter mir gelassen habe. Doch irgendwann stand ich punktgenau am Hotel Scandic Hub in der Annankatu 18. Ich parke mehr oder weniger auf der Kreuzung, wie eine echte Helsinki `erin.
So egal!!! Ich konnte nicht warten, meine Blase war gross wie ein american football und ich eile in das Hotel, die Treppe hinauf auf die Damentoilette. What a relief!
Danach parke ich ganz gelassen in der Parkgarage und werde das Auto Morgen an den Flughafen zurückbringen.









 

Nach dem Einkauf am Hafen, bin ich ins Hotel und wollte dort im Restaurant etwas essen. Ich hoffte auf finnische Menüs. Fehlanzeige. 
Nur Pizza, Ravioli, Risotto... 
Der Pizza-Ofen aus Italien ist jedoch defekt, Pizza fällt also aus. 
Ich habe mich für die Ravioli entschieden.
Was für ein Disaster! 
Nach ein paar Bissen musste ich passen. Ich bin ja sonst eher auf der salzigen Seite, Conny weiss das! Aber diese Sauce war so salzig, dass es mir den Blutdruck spontan erhöht hat. Ich musste es zurückgeben. 
Lustigerweise kannte die Bedienung den Spruch: "Ist das Essen versalzen, ist der Koch verliebt!" Schön, wenn da  jemand ein Liebesleben hat - ich habe trotzdem auf Risotto gewechselt. Und das war soweit ok, es war ehrlich gesagt eher eine Reissuppe...
Dafür haben sie mir den Merlot nicht berechnet. 
Also, ja, es war echt fair.

Jetzt sitze ich im Bett und schreibe euch. Ich fühle mich grade ins ZAG zurück versetzt. Die Matratze kann wie ein Pflegebett in verschiedene Positionen gebracht werden. Gut für mich und meine Blessuren. 
VERLETZUNGEN? Naja, da gibt es Ereignisse, die ich nur mit meinen engsten Freunden teile - nicht das die irgendetwas tun könnten...
No worries! Ich laufe, fahre und habe sehr viel Fun!

Menu 1: Ravioli mit Kürbissauce (total versalzen)  
Menu 2 Risotto mit Spargel (eher Suppe...) 

Dienstag, 10. Juni

Erst die Pflicht, dann das Vergnügen!

Die Zeit wird knapp. Länger geschlafen, Kaffe im Bett und zum Frühstück bis 10:00.
Als ich kam war schon alles recht ausgedünnt. Keine Butter mehr, keine Croissants, und dann nur Filterkaffe. Es brauchte etwas, bis ich mein Frühstück zusammen hatte, plus den Latte Macchiato, den ich extra zahlen musste. Sorry. Aber Filterkaffe geht jetzt nach über zwei Wochen einfach wirklich nicht mehr.

Es sind 35min bis zum Flughafen. 
Tanken und Abgabe des Autos liefen dann recht zügig. Nun bin ich mit ÖV unterwegs. Mit dem Bus vom Airport in die City bis zum Hauptbahnhof. 

Ein Tag im Park

ÖV: und dann wurde es kompliziert.
Es gibt (zurzeit) keinen Informationsschalter am Bahnhof und so war ich auf die freundliche Hilfe der Starbucks-Angestellten angewiesen. In perfektem Englisch, und das meine ich auch so, also sie riet mir auf die ÖV`s zu verzichten und empfahl "Yango".
Nein, das ist nicht der heissestenTyp in Helsinki mit einem Mercedes, sondern eine APP wie Uber, die recht gute Preise bietet.
Ich bin ja eigentlich nicht für Uber und Co, da sie den Taxifahrern jedes Jahr die Inflationszulage nehmen.
(Wenn ich mich daran erinnere wie Papa und ich 1991 von der City zum Flughafen raus mussten, da mir ein Röntgenbild zur Einreise auferlegt wurde... dann erinnere ich mich auch an den Preis: 40 sfr. Das ist exakt das, was ich bei meinen letzten Fahrten im 2021 und 2023 auch bezahlt habe. Krass oder?)

Bin ich trotzdem mit Yango gefahren? Ja! Mein Yango hiess Ahmed und brachte mich zum Open Air Museum Seurasaari auf einer Insel in Helsinki. Heute ist das Wetter noch sonnig und warm, Morgen wird es zu 95% regnen - also eigentlich ununterbrochen.
Deshalb war es der perfekte Tag für "Draussen".
Ich habe es so genossen! Alte Häuser, Mädels und ein Junge in Tracht, weitläufige Spazierwege im Gelände mit Wald, Felsen und Meerblick. I love it. 
Meine Batterie ist wieder gefüllt.

Einstimmig in der Uneinigkeit

Die meisten Grossstädte sind je nach Quartier unterschiedlich. Das ist hier nicht anders. Der Wechsel ist für Aussenstehende wie mich, einfach nicht so leicht auszumachen.
Eine Fahrt mit dem Tram zeigt, wie schnell sich die Einkommensgrenze verschiebt, die Fahrgäste zeigen ein ähnliches Bild.
Ich erinnere mich, wie ich, sehr blauäugig, in Vancouver 1998 allein mit meiner Kamera unterwegs war - endlich von der Familie und den Auflagen befreit. Damals habe ich auf der Suche nach guten Motiven eine Drogenübergabe fotografiert. Uihh!  
Damals war noch Rollfilm, also das Ergebnis und den Inhalt konnte  ich erst Wochen später beurteilen.
Heute ist alles schnelllebiger, transparenter durch das Internet - ich bin immer noch blauäugig, aber durch die vielen Reisen alleine sicher auch aufmerksamer. Mein 7. Sinn ist sehr ausgeprägt, und ich höre auf ihn.

Mittwoch, 11. Juni

95% Regen, 100% Spass

Gut, dass ich wusste, was heute auf mich zukommt. Regen zwischen leicht und sturzflutartig.
Also sind Museum und Kirchen angesagt. Erst die Felsenkirche, dann das moderne Museum Kiasma und dann och der  eher enttäuschende Dom von Helsinki.

Starkregen in Helsinki und die unkonventionelle Wasserentsorgung auf dem Gehweg.


Kiasma

Installationen, Bilder, Skulpturen - alles echt sehr faszinierend, manchmal ein wenig verstörend. 
So wie Kunst sein soll: Anregend und aufregend. Wunderbar!

Der Dom von Helsinki

... hat sich nicht gelohnt. 
Sehr einfache Ausstattung, nur ein grosses Gemälde, Krypta geschlossen (was auch sonst...) und für die 5 min Besichtigung wird 10 Euro verlangt. Im Internet steht kostenloser Eintritt, aber das mit der Zuverlässigkeit des www hatten wir ja auch schon.
Gut, dass ich mit meinem Presseausweis gratis rein konnte.

Markt unter/am Wasser 

Vom Dom durch das Designerviertel, aus Kostengründen halte ich meinen Blick stets gesenkt. Bei dem Kopfsteinpflaster überall auch gut so, ich sage nur: PD Sturzangst.
Am Ende liegt der Hafen mit dem täglichen Markt. Neben frischen Lebensmitteln gibt es einige Essenstände. Bei dem Wetter nur von mir und zahlreichen Japanern besucht.


Dafür komme ich endlich in den Genuss der finnischen Lachssuppe.

Näkemiin Finnland

Auf Wiedersehen.

Mobile Check in, Taxi, Airport.

Finnair, please take me home!

03:15. Der Wecker klingelt, wenn auch sehr melodisch, reisst er mich aus einen der vielen Träume heute Nacht.
Ich brauche diesen Vorlauf um ca. 05:15 das Taxi zum Flughafen zu besteigen… nicht mit Yango.
Alles läuft wie am Schnürchen. 05:05: Ich erhalte mein Breakfast Paket. 05:07: schnell noch auf die Toilette. 05:09 mein Taxi ist da und übernimmt meinen sehr schweren Koffer. 05:10 Abfahrt. Nach 25 min bin ich bereits am Flughafen. 
Am Check-in versuche ich nochmals auf eine Gangplatz zu wechseln - no Chance! 
Ich schlucke das Hotelfrühstücks-brötli herunter, trinke den O-Saft und gehe dann zur Kontrolle.
Natürlich wird mein Gepäck wieder gesondert auf dem Laufband der Kontrolle übergeben. Das Problem diesmal: die Elchwurst in Dosen, die ich aus Gewichtsproblemen im Handgepäck mitführe.

Gewichtsproblem
Ja, da denkt man zuerst an meine Oberweite und den Speck auf den Rippen. 

Davon ist hier aber nicht die Rede. Angereist bin ich bereits mit exakt 20,0kg. Heute zeigen sich 23,7kg auf der Waage. Gut, dass ich die Bücher und die Wurstdosen ins Handgepäck getan habe...

Was dazu gekommen ist?
Von der Manufaktur Pentik in Posio: 1 grosse Kaffeetasse mit stilisiertem Elch, eine Schale mit Sami-Motiven und ein Schüsselchen für meine geliebte Tilly. 
Eine Vintage Kanne von Pentik aus dem Kirrpis Toukula und die Mummins-Figuren. Hier so bekannt und beliebt wie die Mainzelmännchen. Dazu Bonbon von Fazer, ein Schlüsselanhänger mit Elch, eine Knie- und eine Fussgelenkbandage...
Meine Angel plus Fischattrappen habe ich übrigens im Hotel gelassen, da sie selbst mit leichter Biegung nicht in de Koffer passten: 
Verlust 12 Euro. 
Dummheit: Unbezahlbar!

Der Rest ist normal und unkompliziert verlaufen. Gate finden, einsteigen, abfliegen, trinken (Blaubeersaft, Mmmmmmhhhh!) Aussteigen, Koffer packen, gehen.



Welcome Home

Wir haben Rückenwind. Ortszeit 09:30 sind wir am Gate angedockt und verlassen sie Maschine.
Mein Koffer kommt an, schwer aber da! Ich starte den Rückweg mit Tram 10. Wie cool, einfach ein Ticket buchen zu können ohne zu überlegen. 
Gegen 10:30 bin ich in der Wohnung um 11:10 kommt meine Putzfee Camila. 

Zürich willkommt mich mit sommerlichen 25 Grad, die Luft riecht nach See und Sorglosigkeit.
Schon komisch. Manchmal vergesse ich, wie gut ich es hier habe! 
Hier sind Freunde, ein guter Job und spannende Kolleg_innen, jegliche Art des Zeitvertreibs, Natur, See, Kultur - ja und vor allem Heimat. 
Das Gefühl des "nach-Hause-kommens" überwältigt mich heute sehr. 
Es war toll in Finnland. Ich liebe die Natur, weil sie mich auch ein wenig an Norddeutschland erinnert. Ich liebe die Einsamkeit, weil ich gerne mit mir selber bin und ich mir völlig genüge. Ich liebe die Begegnungen, Eindrücke, Missgeschicke und Erfahrungen. 
Ich liebe es zu reisen! 
Ich liebe Zürich!  Ich liebe Tilly!!!
@Vera: I wish you can see Zürich to my eyes!

Die Aufarbeitung beginnt

Die Wäsche ist sortiert, der Koffer ausgepackt und Tilly gekuschelt. Die erste Waschmaschine läuft, Tilly gekuschelt, eingekauft bei Migros und Denner, Tilly gekuschelt, Wäsche im Garten aufgehängt, die zweite Maschine angeworfen. 
Den neuen Schaukelstuhl, der vor zwei Wochen geliefert wurde zusammen gebaut, Tilly gekuschelt.
Wäsche abgenommen und neu aufgehängt. Dritte Maschine Wäsche, die Sachen für Badezimmer und Küche versorgt Tilly gekuschelt… 
Koffer auf den Estrich gebracht und dann stundenlang die Fotos bearbeitet.
Es ist jetzt 17:55 und ich genehmige ich mir ein Heineken.

Das war` s, dieser Blog ist nun abgeschlossen.